Deutschland setzt Abschiebungen nach Afghanistan trotz Krieg und Coronakrise fort. Mehr zivile Opfer bei westlichen Luftangriffen am Hindukusch denn je. Mitten in der Coronakrise setzt die Bundesrepublik ihre Sammelabschiebungen nach Afghanistan fort. In der vergangenen Woche wurden 39 Afghanen aus Deutschland zwangsweise nach Kabul geflogen, obwohl das Land weiterhin vom Krieg erschüttert wird und nun auch noch unter der Covid-19-Pandemie leidet; andere Staaten haben ihre Grenzen mittlerweile für die Einreise aus Deutschland geschlossen, da die Bundesrepublik eines der Länder mit den meisten Infektionen weltweit ist. Gleichzeitig hat der Bundestag den Bundeswehreinsatz am Hindukusch um ein weiteres Jahr bis Ende März 2021 verlängert; er ist inzwischen in das 19. Jahr gegangen, ohne dass auch nur irgendeine Aussicht auf einen militärischen Sieg gegeben wäre.

Heute in Doha/Katar: nach langen Verhandlungen geht der Afghanistan-Krieg zu Ende: zunächst mit einem Waffenstillstand, nach erfolgreicher Reduktion der Gewalt über eine Woche. Wie seinerzeit im Vietnamkrieg, werden die USA und ihre Verbündeten sich aus Afghanistan zurückziehen. Vietnamkrieg grüsst Wie in Vietnam sind sie geschlagen, denn sie haben ihr Kriegsziel, die Taliban für immer aus Afghanistan zu vertreiben, nicht erreicht, ganz im Gegenteil!

Im vergangenen Dezember veröffentlichte die Washington Post geheime Pentagon-Dokumente, die die offiziellen Lügen zeigen, die den Krieg der USA gegen Afghanistan in den letzten 18 Jahren untermauert haben. Der einleitende Absatz des Artikels bringt die Angelegenheit auf den Punkt: "Ein vertraulicher Fund von Regierungsdokumenten, die die Washington Post erhalten hat, zeigt, dass hochrangige US-Beamte während des gesamten 18-jährigen Kriegs in Afghanistan nicht die Wahrheit über den Krieg in Afghanistan gesagt haben, indem sie rosige Verlautbarungen machten, von denen sie wussten, dass sie falsch waren, und eindeutige Beweise dafür versteckten, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war."

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Washington Post die sogenannten Afghanistan Papers. Obwohl die Dokumente medial eine große Runde machten, blieb eine angemessene Reaktion weiterhin aus. Immerhin sind es nicht nur die USA, die die Öffentlichkeit belogen und betrogen haben, sondern auch Verbündete wie Deutschland, das „die Freiheit am Hindukusch verteidigte“. Von Emran Feroz.